Liebe Kolleginnen und Kollegen,
gefühlt einen Wimpernschlag später ist wieder ein Schuljahr (2018/19) vorüber und man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist und was hat sich in dieser Zeit alles getan rund um das Unterrichtsfach Religion?

Organisation des Religionsunterrichts

Unterrichtsversorgung und Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse der Jahresstatistik (2018) aus dem Niedersächsischen Kultusministerium weisen folgende Zahlen für die berufsbildenden Schulen aus: Insgesamt besuchen 242 867 Schüler*innen öffentliche berufsbildende Schulen in Niedersachsen.
Davon sind  99 571 Schüler*innen evangelisch, 33 802 Schüler*innen katholisch und  109 494 Sonstige/ ohne Angabe. Der letztgenannte Anteil der Schüler*innen ohne Angabe einer Religionszugehörigkeit nimmt stetig zu. Zu bedenken ist allerdings, dass diese Zunahme kaum aussagekräftig ist bezüglich der Teilnahme am Religionsunterricht. Aus Gesprächen mit Kolleg*innen wird deutlich rückgemeldet, dass die „sonstigen“ Schüler*innen und Schüler*innen i.d.R. am Religionsunterricht im Klassenverband teilnehmen.

Lehrer*innenzahlen
In Niedersachsen erteilen im Schuljahr 2018/19 657 Lehrkräfte das Unterrichtsfach Evangelische Religion und 232 Lehrkräfte das Unterrichtsfach Katholische Religion an den öffentlichen berufsbildenden Schulen. Es wurden zum Stand 01.08.2018 insgesamt 19 Lehrkräfte neu eingestellt. Erfreulicherweise bleibt die Anzahl der Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst stabil. So haben im letzten Jahr 18 Referendare ihren Abschluss erworben.  

Abitur im Unterrichtsfach EV. Religion
Mit großer Freude nehmen wir wahr, dass sich in diesem Schuljahr zwei weitere Religionsfachgruppen (BBS Syke, BBS I Lüneburg) an die Wiedereinführung der Möglichkeit einer Abiturprüfung im Fach Evangelische Religion heranwagen und Prüfungskurse einrichten. Schüler*innen nehmen das Angebot der Prüfungsmöglichkeit in Religion trotz der minimalen Mehrstundenbelastung gerne an.  Die Lehrkräfte der Kurse berichten über erstklassige Arbeitsbedingungen, intensive Arbeitsphasen und vorzeigbare Abiturergebnisse. Dabei wurde auch in diesem Jahr wieder die mündliche Abiturprüfung von den Schüler*innen bevorzugt. In wieweit es zu Prämierungen durch die Konföderation gekommen ist, liegt uns bis zum heutigen Stande nicht vor.
Eine Vorbereitung auf die Abiturprüfung in Evangelische Religion gibt es durch die Unterstützung der Fachberatung (siehe auch Informationen auf der nline Seite BG).
Im Vorfeld bietet das RPI Loccum jährlich eine spezielle ‚Werkstattarbeit BG‘ an. Die nächste Fortbildung dieser Art (die neben den Abiturkursleiter*innen auch allen anderen im BG eingesetzten Lehrkräften offensteht) findet vom 05.-07.02.2020 zum Thema: „Was ist der Mensch? – Crossmediale Impulse für das Berufliche Gymnasium“ im rpi-Loccum statt.

Weiterbildung
Ein Herzstück und umfassender Schwerpunkt der Fachberatung ist die Leitung der  Weiterbildungsmaßnahme im Unterrichtsfach Evangelische Religion. In diesem Schuljahr werden die 12 Teilnehmer*innen fertig. 2020 soll eine Neuauflage der Weiterbildungsmaßnahme kommen. Es wird  überlegt diese in Kooperation mit dem Unterrichtsfach Katholische Religion durchzuführen.

Gestaltung des Religionsunterrichts

Erstellung schulischer Curricula im Unterrichtsfach Ev. Religion
Die Leitlinie SchuCu-BBS ist seit einem Jahr online in seiner vorläufigen Endfassung. Unter dem Button ‚Lernsituationen‘ finden Sie mittlerweile Beispiele für Lernsituationen, die die grundlegenden Anforderungen erfüllen. Eine Lernsituation aus dem Unterrichtsfach Evangelische Religion ist auch dabei (https://schucu-bbs.nline.nibis.de/nibis.php?menid=348)
Die Erstellung schulischer Curricula geht voran. Im letzten Schuljahr wurden wir vielfach angefordert, um die Erstellung nach den grundlegenden Anforderungen der Leitlinie SchuCu-BBS zu unterstützen. In diesen Veranstaltungen haben wir hochmotivierte, skeptische und aufgeschlossene Kolleg*innen kennengelernt. Ein Anfang ist getan, aber Veränderungsprozesse dauern. Deshalb raten wir zu  Kontinuität bei möglichst guter Stimmung, denn in der Hauptsache geht es bei allen Bemühungen um die qualitative Verbesserung des Religionsunterrichts bei veränderter Schülerschaft im handlungsorientierten Unterricht.   

Online-Materialien im Unterrichtsfach Ev. Religion
Kolleg*innen, die im Beruflichen Gymnasium unterrichten, haben die Möglichkeit sich über die ‚nline Plattform BG‘ Lernsituationen herunterzuladen. Hierzu werden Zugangsdaten benötigt, die bei Interesse über die Fachberatung (heike.luttermann@nlschb.de) per E-Mail mit dem Betreff ‚Zugangsdaten nline Seite Evangelische Religion‘ angefordert werden können. 
Die Online-Materialie für die Schulformen, die über die Rahmenrichtlinien Evangelische Religion abgedeckt werden, ist ein wenig in die Jahre gekommen. Die Lernsituationen müssen inhaltlich überarbeitet werden und in Struktur und Begrifflichkeiten der Leitlinie SchuCu-BBS angepasst werden.  Dies erfordert ein großes Maß an Arbeit bei knappen Ressourcen. Dennoch sehen wir den hohen Nutzen einer solchen online-Materialie und wünschen uns Kolleg*innen, die Interesse haben, diese mit uns weiter zu pflegen und auf dem neuesten Stand zu halten. Eine aus RAKO-Mitteln finanzierte Veranstaltung des Landes Niedersachsen wird es hierzu vom 21.-22.11.2019 in Kooperation mit dem Unterrichtsfach Katholische Religion in Osnabrück geben. Diese Fortbildung mit Workshopcharakter trägt den Titel: „Die Welt wird smart – ein Thema für den Religionsunterricht“.   Es sollen vorhandene Lernsituationen überarbeitet und neue Lernsituationen erstellt werden, unterstützt und medial gestaltet durch entsprechende smarte Tools. Insgesamt also mehrperspektivisch spannend!  (Anmeldung möglich unter der Vedab-Nr. 19-47-27)

Zukunft des Religionsunterrichts

Islamischer RU
Das Grundgesetz besagt in Artikel 7 Abs. 3, dass unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt wird. Demzufolge haben alle Religionsgemeinschaften das Recht Religionsunterricht einzurichten. Der Islamische Religionsunterricht existiert in Niedersachsen seit dem Schuljahr 20113/14 als ordentliches Lehrfach an öffentlichen Schulen und ist mittlerweile in der Jahrgangsstufe 9 der Sekundarstufe 1 angelangt. Insgesamt nehmen z. Z. ungefähr 4.037 Schülerinnen und Schüler am Fach Islamische Religion teil. Der Unterricht wird an 62 Schulen von 30 Lehrkräften mit dem Unterrichtsfach Islamischer Religion erteilt (Stand der Zahlen 2017).
Seit Anfang des Jahres erarbeitet eine Kommission, deren Mitglied auch die Fachberatung Evangelische Religion ist, ein Kerncurriculum für die Sekundarstufe 2 des allgemeinbildenden Gymnasiums (siehe auch S. xy). Die Fertigstellung ist für Anfang des Jahres 2019 geplant. Langfristig ist auch ein Kerncurriculum für das Berufliche Gymnasium und Rahmenrichtlinien für alle anderen Schulformen zu entwickeln.  

Digitalisierung als Thema im Religionsunterricht
Wenn man sich thematisch mit der ‚Zukunft‘ im Religionsunterricht beschäftigt, kommt man nicht an der zunehmenden und sich ständig weiter entwickelnden Digitalisierung vorbei. Bildung in der digitalen Welt beschäftigt auch die Niedersächsische Landesschulbehörde, welche diesem wichtigen Thema auf einer landesweiten Dienstbesprechung einen ganzen Tag (19.Juni 2019) in Osnabrück an der BBS Brinkstraße widmete. Inhaltlich wurde betont: „Niedersachsen macht sich auf den Weg. Wir benötigen eine Digitalisierungsstrategie, in der es neben der Weiterbildung der Kolleginnen und Kollegen auch um die Ausstattung der Schulen und Studienseminare und Einblicken in die schulische Praxis zum Thema geht.“ Dabei wurde auch das sogenannte Dagstuhl-Dreieck vorgestellt (entwickelt in einem GI-Dagstuhl Seminar im Februar 2016 von Expert*innen aus der Informatik und ihrer Didaktik, der Medienpädagogik, der Wirtschaft und der Schulpraxis). Im Dagstuhl-Dreieck geht es sinngemäß um die drei Fragen: Wie funktioniert Digitalisierung? Wie nutze ich Digitalisierung? Wie wirkt Digitalisierung? Letztere Frage betrifft die gesellschaftlich-kulturelle Ebene und fordert uns besonders im Religionsunterricht heraus. Inhaltliche Fragestellungen nach dem Wesen des Menschen, der Schöpfung und der ethischen Verantwortung des Menschen sind als zentrale Beispiele anzuführen. Aber auch der notwendige (kritische) Umgang und die sinnvolle Nutzung digitaler Medien sind Elemente des Religionsunterrichts, um diesen zeitgemäß und lernwirksam zu gestalten. Die nächsten Fortbildungsveranstaltungen werden um diese Thematik schwerpunktmäßig kreisen (siehe auch Punkt Online-Materialien).
Ebenso gibt es Bemühungen des Landes Niedersachsen, die Ausbildung aller Referendar*innen dahin gehend zu fokussieren. Wobei gerade unser Fach die oben beschriebene Mehrdimensionalität im Auge behalten sollte. 

Es grüßen herzlich Heike Luttermann und Petra Höft im Sinne des Verses

„Prüfet alles und behaltet das Gute“

(1 Thess 5,21)

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