Das Jahr seit dem letzten Bericht über unsere Arbeit war auch für den Vorstand der VER ein besonderes. In diesem Zeitraum gibt es vor allem den großen Einschnitt Mitte März. Manches von dem, was wir in der Zeit vor dem Lockdown gemacht und gedacht haben, ist nicht nur zeitlich sehr weit weg. Die Pandemie hat uns, unser Verhalten und Denken stark verändert. Am Religionsunterricht in der BbS ist das nicht spurlos vorbeigegangen. Davon soll gleich noch die Rede sein. Anfangen will ich jedoch mit drei Ereignissen aus unserer Vorstandsarbeit, die noch in den Wochen vor dem Lockdown stattfanden – und doch in interessanter Weise mit dem Religionsunterricht in Coronazeiten zusammenhängen.

Anfang Dezember 2019 trafen drei Mitglieder aus unserem Vorstand zusammen mit Mitgliedern aus dem Vorstand des VKR im Kultusministerium die Leiterin der Abteilung 4 Berufliche Bildung, Melanie Walter. Es war das erste Treffen dieser Art mit Frau Walter. Mit ihren Vorgängerinnen hat es regelmäßig Gespräche gegeben. Naturgemäß ging es um die Vorstellung der beiden Verbände und um die Bedeutung des Religionsunterrichts an BbS. Wir waren erfreut, weiterhin eine deutlich wertschätzende Stimmung für den Religionsunterricht wahrzunehmen. Wir konnten unser Interesse an der Stärkung der Unterrichtsversorgung, dem Einsatz von Religionslehrkräften, der Nachwuchsförderung für Religionslehrkräfte und der neuen evangelisch-katholischen Weiterbildungsmaßnahme deutlich machen. Auch Fragen und Hinweise zu Änderungen in der Erzieher*innen-Ausbildung, der Aktualisierung des Organisationserlasses zum RU und einer differenzierten Erfassung der Religionszugehörigkeit der Schüler*innen konnten von uns angebracht werden. Wir waren sehr erfreut über das Interesse und die offenen Ohren, die uns im MK begegnet sind.

Dieses Interesse sollte sich in einem zweiten Gespräch im Kultusministerium einen Monat später noch einmal zeigen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne hatte nach einer Begegnung mit Mitgliedern des VKR-Vorstandes die Idee, die katholischen und evangelischen Verbände der Religionslehrkräfte an BbS zu einem Gespräch einzuladen. Über diese Einladung haben wir uns sehr gefreut. Ein Gespräch des VKR und der VER mit dem Kultusminister hatte es seit sehr langer Zeit nicht mehr gegeben. Es war schön wahrzunehmen, dass der Minister von der guten Stellung des Religionsunterrichts überzeugt war und wir ihn mit unseren Aussagen zum BRU darin noch stärken konnten. Einer der Gesprächspunkte war die Einführung von Islamischem Religionsunterricht an BbS. Verfassungsrechtliche, theologische und religionspädagogische Aspekte wurden dabei erörtert. Der Prozess zur Einführung des IRU dauert nach wie vor an. Wir werden dazu hoffentlich in einem der nächsten Newsletter detaillierter Stellung beziehen können. Auf jeden Fall bestand Einigkeit in unserem Gespräch, dass die Einführung von IRU anzustreben ist. Und natürlich haben wir auch mit dem Kultusminister die Steigerung der Unterrichtsversorgung im BRU angesprochen. Minister Tonne betonte hierbei den Wert der neuen evangelisch-katholischen Weiterbildungsmaßnahme. Auf Nachfrage einer VER-Vertreterin machte der Minister deutlich, uns beim Engagement für den Einsatz von Religionslehrkräften zu unterstützen.

Die grundsätzliche wertschätzende Stimmung für unser Fach, die wir bei beiden Besuchen im MK erfahren haben, ließ sich m. E. auch darin sehen, dass der RU an BbS bei der Wiederaufnahme des Unterrichts nach dem Lockdown weder im Distanz- noch im Präsenzunterricht grundsätzlich Schaden davon getragen hat. Es mag z. T. zu organisatorischen Verwirrungen gekommen zu sein und an mancher Stelle wurde der RU gemeinsam mit anderen allgemeinbildenden Fächern in Hinsicht auf anstehende Prüfungsvorbereitungen runtergeschraubt. Die VER hat den Eindruck, dass der RU an BbS nicht unter den Corona und den Folgen des Lockdowns gelitten hat. Vielmehr ist gerade die besondere Funktion unseres Unterrichts in Zeiten der Krise wahrgenommen und gewürdigt worden. Es ist u. E. nicht davon auszugehen, dass sich das ändert. Sollten Sie das anders wahrnehmen als wir, dann lassen Sie uns das gerne wissen. Wir freuen uns über Rückmeldungen, wenn sich das vor Ort anders entwickelt.

Das dritte Ereignis aus der Vor-Corona-Zeit fand am 5. Dezember letzten Jahres fand in Mainz statt: der 3. Bundeskongress zum BRU. Die evangelischen (EIBOR) und katholischen (KIBOR) Institute für berufsorientierte Religionspädagogik der Universität Tübingen, das Bonner evangelische Institut für berufsorientierte Religionspädagogik (BIBOR) und die katholische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt luden zum dritten Mal zu diesem Kongress ein. Elena Gielians und ich waren neugierig auf Thema und Veranstaltung und nahmen ebenso wie Michaela Veit-Engelmann als Vertreterin des RPI Loccum an dieser hochkarätigen Veranstaltung teil. Bemerkenswert war das Thema des Kongresses: „Berufsschulreligionsunterricht 4.0 − religiöse Bildung in einer digitalisierten Welt“. In einer vollen Bandbreite von Soziologie, Theologie, Pädagogik und Medienwissenschaft setzte die Tagung anregende Aspekte für BBS-Religionspädagogik. Im Dezember 2019 wirkte das Ganze auf mich noch wie ein fröhlich-neugieriges Spiel- und Versuchsfeld, vom dem wir VER-Vertreter*innen durchaus positiv angefixt waren. Die Anregungen aus der Tagung haben wir in den Vorstand eingetragen. Dort haben wir uns mit der Vielfalt der Aspekte des Themas beschäftigt und neben technischen und methodischen Aspekten, auch ethische und didaktische Fragen aufgeworfen.

Inzwischen haben wir alle erlebt, dass Pragmatismus und Praxis die theoretische Diskussion über die Digitalisierung (nicht nur) des Religionsunterrichts mit Volldampf überholt haben. Nach meinem persönlichen Eindruck hat das dem Religionsunterricht nicht geschadet. Ich bin davon überzeugt, dass wir aber auch an einem Punkt sind, hinter den wir nicht zurückkommen. Umso mehr brauchen wir die reflektierende und kritische Begleitung der Digitalisierung im BRU. Insbesondere muss uns beschäftigen, wie Distanzunterricht als guter Religionsunterricht aussehen kann.

Eigentlich hatten wir als Vorstand für den Juni dieses Jahres gemeinsam mit dem RPI die Fortbildung „Das beste Fach der Welt“ besonders für junge Kolleginnen und Kollegen geplant. Wir waren mitten in den Vorbereitungen, als die Veranstaltung aus bekannten Gründen abgesagt werden musste. Wir freuen uns sehr, dass es besonders dem Engagement von Michaela Veit-Engelmann zu verdanken ist, dass die geplante Fortbildung nun im nächsten Jahr vom 19.-21. Mai 2021 stattfinden kann.

Wir wollen dran bleiben an den genannten Themen und an anderen Arbeitsvorhaben rund um „das beste Fach der Welt“. Im nächsten Rundbrief werden wir davon berichten.

Herzliche Grüße im Namen des gesamten Vorstandes

Olaf Ideker-Harr

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