Liebe Kolleg*innen an den Berufsbildenden Schulen in Niedersachsen,

der Jugendforscher Klaus Hurrelmann hat den Begriff der „Krisenkinder“ geprägt und damit die Generation von (Kindern und) Jugendlichen gemeint, die Ihnen und euch aktuell in der BBS begegnen. Diese befänden sich, so sagt es Hurrelmann, in einer „Dauerkrise“. Was daran richtig ist: Unsere Schüler*innen sind krisenerprobt. Corona, der Ukrainekrieg, der Klimawandel – viel selbstverständlicher als meine Generation wachsen diese jungen Menschen damit auf, dass eben nichts selbstverständlich ist. Danke, dass Sie mit diesen Jugendlichen arbeiten, dass ihr mit diesen Jugendlichen arbeitet und der Religionsunterricht Raum bietet für Diskurs, dafür, Ängste aussprechen zu können und für gemeinsame Suchbewegungen. Immer wieder höre ich von Ihnen und euch, was gerade an den Schulen so los ist – ich bin beeindruckt von dem, was Sie leisten, was ihr leistet! Und ich hoffe, ich darf sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, zu dieser Gemeinschaft von BBS-Religionslehrkräften dazuzugehören?

Wir hier in Loccum waren genau wie die Kolleg*innen in den Schulen im vergangenen Jahr gezwungenermaßen experimentierfreudig. Die Jahreskonferenz BBS 2021, bei der wir in Wolldecken eingewickelt in der kalten Loccumer Klosterkirche saßen, wird mir unvergessen bleiben – und den Teilnehmenden vermutlich auch. Andere große Tagungen, zum Beispiel für die BBS-Direktor*innen im Dezember 2021 und für die Schulpastor*innen und Schuldiakon*innen im Februar 2022, konnten nur digital stattfinden. Ich hoffe sehr, dass das in diesem Herbst und Winter anders sein wird – aber wer kann das schon sagen? Noch habe ich Hoffnung, denn während ich im Sommer 2022 diese Zeilen schreibe, normalisiert sich die Situation auf dem Campus. Wir bieten wieder verstärkt präsentische Formate an und ich freue mich sehr darüber, wieder Menschen „in echt“ zu begegnen und mit ihnen reden zu können, ohne auf 1,5 Metern Distanz bleiben zu müssen, ohne Maske oder Trennscheibe im Speisesaal.

Als digitales Format erhalten geblieben ist uns der sogenannte Crashkurs Weltreligionen mit Prof. Dr. Wolfgang Reinbold vom Haus kirchlicher Dienste. Dieser Crashkurs wird unter dem Titel „Heißes Eisen“ eine Fortsetzung erfahren. Viermal im Jahr diskutiert Wolfgang Reinbold digital mit einem Vertreter einer Fremdreligion über ein besonders brisantes Thema: Homosexualität im Islam, zum Beispiel. Oder die Frage nach Ehre, Ehrenmorden und der Rolle der Frau.

Hinweisen möchte ich noch auf einige weitere Formate, die zu meinen persönlichen Highlights gehören: Am 13.–14.10.2022, also an den beiden letzten Schultagen vor den Herbstferien, findet die große Jahreskonferenz BBS statt, sie wird sich in diesem Jahr mit dem Thema „Notfälle an Berufsbildenden Schulen“ beschäftigen. Vom 16.–18.11.2022 biete ich außerdem gemeinsam mit dem VER-Vorstand eine Tagung für junge Lehrkräfte an: „Das beste Fach der Welt?!“ heißt sie und für mich steht da eindeutig ein Ausrufezeichen. Denn ist nicht Religionsunterricht gerade an BBS tatsächlich das Beste, was Schüler*innen in dieser Übergangsphase vom Teenager- ins Erwachsenenleben passieren kann? Natürlich haben wir im RPI noch andere Tagungen vorbereitet – das Halbjahres-Programm für BBS ist hier abrufbar: RPI Loccum – Berufsbildende Schulen (rpi-loccum.de)

Alle weiteren Informationen rund um den RU an BBS, zahlreiche Unterrichtstipps und Links sind hier zu finden: www.rpi-loccum.de/bbs.

Übrigens haben wir uns im RPI auch intensiv mit dem Vorhaben der beiden großen Kirchen beschäftigt, zukünftig Christlichen Religionsunterricht einzuführen. Unsere Stellungnahmen dazu sind hier zu finden: www.rpi-loccum.de/cru, ausdrücklich hinweisen möchte ich auch auf die Stellungnahme der Fachleitungen und Fachberatung BBS zum CRU: https://www.religionsunterricht-in-niedersachsen.de – BBS: „Für berufsbildende Schulen keine Neuerung“.  Einen Überblick über den gegenwärtigen Stand des Beratungsprozesses gibt OKR Dr. Marc Wischnowsky in seinem Bericht hier in diesem Newsletter.

Das RPI-Kollegium hat in den vergangenen Monaten überhaupt viel veröffentlicht – im RPI-Shop kann man auch online stöbern: www.rpi-loccum.de/shop. Vielleicht ist ja etwas Passendes dabei? Für meinen BBS-Bereich möchte ich besonders auf die im April erschienene Arbeitshilfe „Müsste da nicht Musik sein? – Popsongs im Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen“ hinweisen, die die ehemalige Hamelner Schulpastorin Bianca Reineke und ich gemeinsam herausgegeben haben (Müsste da nicht Musik sein? | Religionspädagogisches Institut Loccum – Online Shop (rpi-loccum.de)). Bereits im November vergangenen Jahres ist außerdem das „Who’s who im Alten Testament?“ erschienen, das 20 berühmte Personen der hebräischen Bibel porträtiert und das OKR Dr. Marc Wischnowsky und ich gemeinsam geschrieben haben. Eine Leseprobe gibt es hier: Who’s who im Alten Testament? | Primarbereich | Religion | Schule und Unterricht | Themen entdecken | Vandenhoeck & Ruprecht Verlage (vandenhoeck-ruprecht-verlage.com)

Nun bleibt mir nur noch, Ihnen und euch einen guten Start ins neue Schuljahr zu wünschen. Ich freue mich auf viele Nachrichten und Updates durch Sie und euch aus dem BBS-Bereich und auf viele persönliche Begegnungen!

Bleiben Sie, bleibt ihr gesund und behütet!

Ihre / Eure Michaela Veit-Engelmann

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