Zwei Themen liegen diesen Sommer in der Bildungsabteilung obenauf. Das eine betrifft die Weiterentwicklung des Religionsunterrichtes, das andere die Bildungsgerechtigkeit. Darüber hinaus sind wir kräftig mit der Vorbereitung des nächsten Schülerforums im Dezember 2022 beschäftigt – das auch dieses Jahr wieder „to go“ stattfindet, als Workshops, die sich Lehrkräfte an die Schulen holen können: www.kirche-schule.de/2022_schuelerforum.

Gemeinsam verantworteter christlicher Religionsunterricht – ein Update

Seit der Veröffentlichung des Positionspapieres der ökumenischen Schulreferent*innen-Konferenz in Niedersachsen ist es in der Diskussion: das Modell eines gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterrichtes an niedersächsischen Schulen. Es haben Gesprächsrunden mit Vertretern von Schulen, Schulleitungen, Lehrkräften und Politik stattgefunden, mit Vertreter*innen und Entscheidungsträger*innen aus Kirche und Politik, mit Studierenden und Hochschullehrer*innen. Auch bundesweit ist das Interesse groß. Viele Augen richten sich auf Niedersachsen. Nach wie vor können die Diskussionsbeiträge jederzeit unter www.religionsunterricht-in-niedersachsen.de/christlicherRU eingesehen werden.

Im Fokus der Diskussionen liegen die Fragen:

  • Trägt die evangelisch-katholische Ökumene ein solches Modell gemeinsamer Verantwortung?
  • Worin liegt das evangelische oder das katholische Profil des Faches bisher – das ja auch an den Berufsbildenden Schulen ein konfessionell erteiltes ist? Und worin würde sich zukünftig das „christliche“ Profil zeigen?
  • Wie ist die Didaktik des Religionsunterrichtes von einem konfessionell-kooperativen zu einem christlichen Modell weiterzuentwickeln? Inwiefern ändert sich dadurch die Rolle der Religionslehrkraft?
  • Bisher tritt der Evangelische wie der Katholische Religionsunterricht gastfreundlich auf und lädt Schüler*innen aller Konfession und ohne konfessionelle Bindung ein. Das ist insbesondere an BBSen ein etabliertes Modell. Wird ein gemeinsam verantworteter christlicher Religionsunterricht ebenso gastfreundlich sein können?

Insbesondere der letzte Punkt beschäftigt die Gespräche mit den Lehrkräften der berufsbildenden Schulen. Die Frage ist dabei eigentlich nicht, ob sich durch den Wechsel des Etiketts von „evangelisch“ zu „christlich“ viel ändern wird. Sondern mehr, ob ein gemeinsam evangelisch-katholisch verantworteter Religionsunterricht didaktisch offen und einladend bleibt. So hat der VER der „Sorge“ Ausdruck verliehen „dass der CRU sich vor allem auf Themen konzentriert, die als konfessionell problematisch im Raum stehen. Dadurch würde der Fokus berufsbezogener Religionsdidaktik und der Anspruch der Lebensrelevanz für die Schüler:innen verfehlt.“

Im Mai hat der Jurist Prof. Dr.  Ralf Poscher aus Freiburg ein Gutachten zur Verfassungsgemäßheit eines gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterrichtes vorgelegt. Auch dieses Gutachten ist auf der genannten website eingestellt (www.religionsunterricht-in-niedersachsen.de/christlicherRU/beratungsprozess/gutachten ). Poscher hält einen entsprechenden Religionsunterricht auf Grundlage des Grundgesetzartikels §7,3 für darstellbar. Er fasst zusammen: „In Niedersachsen sind sowohl die organisatorischen wie auch die personellen und pädagogischen Voraussetzungen für die Einführung eines gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterrichts gegeben.“ Er hält aber interessanterweise auch fest, dass iun eine

Der nächste Schritt ist nun, im Rahmen eines ökumenischen Symposions, zu dem die Bischöfe und leitenden Geistlichen im Oktober 250 Beteiligte aus dem Beratungsprozess einladen, die aus den Kirchen, den religionspädagogischen Instituten, den Universitäten, den Verbänden, der Lehrer*innenschaft und der Politik zusammenkommen werden, Titel: „Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts in Niedersachsen: Der gemeinsam verantwortete christliche Religionsunterricht als Weiterentwicklung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts“. Ziel ist es, eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln, ob und wie eine Einführung dieses neuen Faches in Niedersachsen gewollt und möglich ist. Die genannten Fragen werden uns auch in diesem Rahmen noch einmal beschäftigen.

Am Ende aber gilt: Die Organisation des Religionsunterrichtes ist Aufgabe des Landes.  Vorschläge können die Kirchen im Rahmen ihrer Mitverantwortung für das Fach machen. Entscheiden über die Einführung eines gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterrichtes in Niedersachen muss am Ende die Landesregierung in Hannover.

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